Rezension

Wolfszeit

von Nina Blazon

Ravensburger Verlag, 560 Seiten

Preis: 9,99€

Inhalt

In der französischen Provinz trauen sich die Leute im Dunkeln nicht mehr aus dem Haus. Denn draußen lauert die Bestie. Aber die schöne Isabelle hat ihren Angriff überlebt. Thomas, Gesandter des Königs, will mit ihrer Hilfe das Untier finden. Doch er verliebt sich in Isabelle und muss bald um ihr Leben fürchten.

Meine Meinung

„Wolfszeit“ war ein absoluter Spontankauf, wie ich ihn – zumindest im Hinblick auf Bücher – wirklich nur sehr selten tätige. Ich habe das Buch letzte Woche im Urlaub günstig in einem Buch-Outlet gefunden, und obwohl mich der Klappentext nicht einmal wirklich angesprochen hat, habe ich es einfach mitgenommen – weil mir Nina Blazon auf der Buchmesse dieses Jahr so sympathisch war, ich aber noch nie etwas von ihr gelesen hatte, und weil ich das Buch ja immer noch an meine Schwester weitergeben konnte, wenn es mir nicht gefallen würde. Glücklicherweise war das aber absolut nicht nötig, denn ich habe „Wolfszeit“ geliebt!

Das Buch hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen, sobald ich das erste Kapitel gelesen hatte, war ich hin und weg und konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte war wahnsinnig spannend und klug aufgebaut, sodass ich mir wirklich bis ganz zum Schluss nicht sicher war, was es mit der „Bestie“ denn nun tatsächlich auf sich hat. Immer wieder gab es neue Wendungen und Enthüllungen, und das Buch ist komplett anders verlaufen, als ich es zu Beginn erwartet hatte.
Auch das Setting fand ich fantastisch. Im Frankreich von Louis XIV. spielend ist „Wolfszeit“ nicht nur spannend und abenteuerlich sondern auch voll mit riesigen, unpraktischen Kleidern und noch viel unpraktischeren sozialen Konventionen, mit gepuderten Haaren, hochnäsigen Adeligen und Vertuschungen. Da ich bisher nur sehr wenige Bücher gelesen habe, die in dieser Zeit spielen, und mein Wissen darüber ebenfalls eher vage ist – ich hatte Latein in der Schule und in Geschichte sind wir erst bei der französischen Revolution richtig eingestiegen – war das ebenfalls sehr spannend für mich. Thomas befindet sich auf einer ständigen Gratwanderung zwischen Versailles und dem Gévaudan, zwischen den Erwartungen seines Vaters und der Gesellschaft in Paris und seinen Aufgaben in der Provinz – es treffen für ihn zwei Welten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und das ist wirklich total interessant zu lesen.
Auch die Charaktere, die mir zu Beginn manchmal noch etwas blass erschienen sind, sind mir im Laufe des Buches richtig ans Herz gewachsen. Besonders aufgefallen ist mir hier auch, dass die Geschichte vor allem aus der Sicht von Thomas erzählt wird – einem Mann, was für Jugendbücher dieses Genres ja eigentlich eher unüblich ist, mir aber sehr gut gefallen hat. Es war sehr interessant, dass es einmal nicht das junge Mädchen ist, das  sich aus heiterem Himmel hoffnungslos in den unnahbaren Fremden verliebt und alle seine Träume aufs Spiel setzen muss, um irgendetwas Böses zu bekämpfen und ihm nahe sein zu können, sondern dass es sich hier eben genau umgekehrt verhalten hat. Diese in Jugendbüchern so beliebte Situation, die mich sonst nur mit den Augen rollen lässt, wurde so wieder interessant.
Was das Buch am Ende noch viel interessanter gemacht hat war übrigens der Nachtrag der Autorin, in dem sie ihre Recherche-Arbeit zu der „Bestie des Gévaudan“ beschreibt, die es – wie ich zuvor nicht wusste – tatsächlich gegeben hat. Auch viele der im Buch vorkommenden Figuren und die meisten der Opfer der „Bestie“ sind reale Menschen aus dem 18. Jahrhundert. Ich wünschte mir fast, diese Information noch vor dem Lesen bekommen zu haben, weil es das Ganze mit Sicherheit noch viel gruseliger, aber auch spannender macht.

Wie ihr sehen könnt, hat „Wolfszeit“ mich also auf voller Linie begeistert. Es war spannend, klug aufgebaut und erzählt, die Charaktere waren interessant und das Setting ebenfalls faszinierend. Ich habe bis zur letzten Seite mitgefiebert und bin einfach nur froh, das Buch entgegen die Stimme der Vernunft in meinem Kopf, die mir Spontankäufe sonst immer verbietet, mitgenommen zu haben, denn es war wirklich, wirklich fantastisch. „Wolfszeit“ wird mit Sicherheit nicht das letzte Buch von Nina Blazon sein, das ich lese!

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