Rezension

Wonder

von R.J. Palacio

Deutscher Titel: Wunder

Corgi Verlag, 315 Seiten

Preis: 6,69€

Inhalt

August ist zehn Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester Via in New York. August ist schlagfertig, witzig und sensibel. Eigentlich könnte also alles ganz normal sein in seinem Leben. Doch eines trennt August von seinen Altersgenossen: Er wurde mit einem Gendefekt geboren, und trotz unzähliger Operationen sieht sein Gesicht anders aus als das anderer Kinder. Das ist auch der Grund, warum er noch nie auf einer öffentlichen Schule war und bisher zu Hause unterrichtet wurde. Das neue Jahr aber soll alles ändern. August wird in die fünfte Klasse der Bezirksschule gehen, und natürlich hat er Angst. Angst davor, angestarrt und ausgegrenzt zu werden. Doch er weiß, dass dies auch eine Chance ist – eine Chance, nicht nur neue Freunde sondern auch sich selbst zu finden, weit weg von dem Schutzkäfig, den seine Eltern für ihn gebaut haben.

Meine Meinung

Ich habe „Wonder“ vor einer ganzen Weile einmal in einem Giveaway gewonnen, und das Buch seitdem im Regal stehen gehabt – ich hatte einfach schon so viel Gutes darüber gehört, das sich mich gar nicht mehr wirklich herangetraut habe, weil ich Angst hatte, es könnte meine überhöhten Erwartungen vielleicht doch nicht erfüllen. Anfang diesen Jahres habe ich „Wonder“ dann auf meine Liste von 10 Büchern gesetzt, die die ich dieses Jahr unbedingt lesen wollte, weil ich einfach nicht wollte, dass es weiterhin Staub ansetzt – jetzt habe ich mir endlich einen Ruck gegeben, und mich getraut!

Zuerst einmal muss ich sagen, dass „Wonder“ sich wirklich sehr schnell liest. Trotz vieler Pausen habe ich kaum zwei Tage für das Buch gebraucht. Das liegt vor allem daran, dass (fast) alle Charaktere ihren Blickwinkel auf das Geschehen sehr interessant und mitreißend erzählen – Probleme hatte ich hier nur bei Justin, dem Freund von Augusts Schwester Via, dessen Kapitel passend zu seiner Persönlichkeit komplett in Kleinbuchstaben geschrieben waren, was es für mich teilweise etwas schwer machte, seinen Gedanken zu folgen. „Wonder“ ist außerdem zwar offiziell ein Kinderbuch, eigentlich aber eines der seltenen Bücher, die ich ohne zu Zögern sowohl bei den Kinder-, als auch bei den Jugend- und Erwachsenenbüchern einordnen würde.
Ich fand es sehr spannend, die Geschichte nicht nur aus Augusts Sicht, sondern eben auch aus denen anderer Charaktere zu erleben – aus denen seiner Schwester Via, ihres Freundes Justin, ihrer ehemaligen besten Freundin Miranda, sowie auch aus den Augen zweier Kinder, die an seine neue Schule gehen, Jack und Summer. So hat man nicht nur eine viel umfassendere Sicht auf die Geschehnisse, sondern lernt auch die verschiedenen Figuren viel besser kennen, von denen jede_r mit seinen/ihren eigenen Problemen und Schwierigkeiten zu kämpfen hat.
Am liebsten von allem mochte ich – wie wohl nicht anders zu erwarten – August, den witzigen, sympathischen, klugen kleinen Jungen, um den es in „Wonder“ eigentlich geht. August liebt Halloween, seine Hündin Daisy und Star Wars. Er interessiert sich für wissenschaftliche Fächer, spielt sehr gerne mit seiner X-Box oder schaut Filme mit seiner vier Jahre älteren Schwester – und er hat ein Gesicht, das so ungewöhnlich ist, dass Kinder oft vor ihm weglaufen und Erwachsene beschämt zur Seite schauen. Ich habe ihn sofort in mein Herz geschlossen.
Interessanterweise hatte ich schon sehr früh eine Vermutung, mit welchem Gendefekt August genau geboren wurde, die sich im Laufe des Buches dann auch bestätigt hat. Gerade deshalb hat es mir auch immer besonders wehgetan, wenn August von anderen gehänselt wurde, denn ich folge auf Instagram zufälligerweise schon einer ganzen Weile einer Familie, deren ganz bezaubernder fünfjähriger Sohn ebenfalls das Treacher-Collins-Syndrom hat. Das hat alles irgendwie noch viel realer für mich gemacht und ich konnte einfach nicht aufhören, darüber nachzudenken, dass es all die bewusst oder unbewusst grausamen Menschen, mit denen August im Buch zu tun hat, genauso leider auch in der Realität gibt.
Gerade deshalb ist „Wonder“ aber eben auch ein wichtiges Buch. Es zeigt Menschen, die so etwas in ihrem Alltag nicht erleben – so zum Beispiel auch mir selbst natürlich – wie sehr auch Leute, die es gar nicht böse meinen, doch verletzend auf solche äußerlichen Ungewöhnlichkeiten reagieren – und sei es nur, indem sie ganz schnell wieder wegschauen, um nicht beim „starren“ erwischt zu werden. August berichtet über diese Dinge ganz leichtfertig und mit viel Humor, was es nur umso eindringlicher, realer und schmerzhafter macht.
Trotz all der ernsten Themen, die „Wonder“ behandelt, ist es aber natürlich auch die Geschichte eines ganz normalen 10 jährigen Jungens, der auf eine neue Schule kommt und sich dort zurecht finden muss. Sie ist unterhaltsam, spannend, wahnsinnig charmant geschrieben, und einfach nur wirklich schön zu lesen. „Wonder“ ist ein Buch, das einem problemlos zum weinen bringen kann – aber irgendwie gleichzeitig aus Traurigkeit und aus Freude. Es ist wunderbar lebensbejahend ohne anstrengend zu sein, optimistisch, ohne dabei seinen Realismus zu verlieren. Es ist einfach ein wirklich gutes Buch.

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob meine Rezension dem Buch überhaupt gerecht werden kann. Schon beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass „Wonder“ ein Buch ist, das man mehr mit dem Herzen als mit dem Kopf liest – es ist deshalb wirklich schwierig, es richtig zu bewerten. Vielleicht ist es ein Buch, das man einfach nur weiterempfehlen, -schenken und – geben kann – eines ist es auf jeden Fall, und zwar auf wahnsinnig vielen verschieden Ebenen wahnsinnig lesenswert!

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