Blogbeitrag

Unpopular Opinions Buch-Tag

Ich wurde von der wunderbaren Liesa zu getaggt – vielen Dank dafür!
Bei diesem Buch-Tag geht es darum, bei welchen Büchern man wie der allgemeinen Meinung widerspricht – schließlich hat ja jeder seinen eigenen Geschmack und nicht jedes Buch gefällt jedem Leser gleich gut. Ich fand die Fragen alle super interessant und mir hat der Tag wirklich Spaß gemacht – was man wahrscheinlich auch daran sieht, dass ich mal wieder viel zu viel schwafele und einfach nicht auf den Punk komme. Nun gut, ich versuche es mal kurz und knackig: Los geht’s mit dem Buch-Tag!

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1. Ein beliebtes Buch, das du nicht mochtest

Captive Prince. CAPTIVE PRINCE. Captive Prince. Nein, ehrlich. Ich hatte relativ hohe Erwartungen an „Der verschollene Prinz“ von C.S. Pacat, als ich das Buch letztes Jahr begonnen habe, weil zumindest die gesamte englischsprachige Buchblogger-Community die Reihe zu lieben scheint. Schlussendlich ist das Buch aber nicht nur hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben, nein, ich habe es richtiggehend gehasst. Vielleicht erinnert ihr euch ja noch an meine Rezension zu dem Buch – ich habe wahrlich oft genug darüber geschimpft. Jedenfalls habe ich seit „Fifty Shades of Grey“ keinen so phänomenalen Bockmist mehr gelesen – ich wollte das Buch eigentlich permanent direkt in die Papiertonne befördern. Oder noch besser: es gleich selbst verbrennen, damit es nicht durch einen unglücklichen Zufall in die Hände einer unschuldigen Person gelangen kann, die sich dann durch diesen Mist quälen muss. Ich verstehe wirklich nicht, warum das Buch von vielen so wahnsinnig gefeiert wird.
Dafür ist „Der verschollene Prinz“ glaube ich auch das einzige Buch, das ich gehasst habe, obwohl es von der großen Mehrheit geliebt wird – bei „Twilight“ und vor allem bei „Fifty Shades of Grey“ hatte ich die Allgemeinheit zumindest in den meisten Punkten noch im Rücken. IMG_20150206_223947Ansonsten gibt es ein paar Bücher, die ich nicht unbedingt gehasst habe, die ich aber einfach nicht so gut fand, wie viele andere das tun. Dazu gehören zum Beispiel „Nach dem Sommer“ von Maggie Stiefvater, die „Hush, Hush“-Reihe von Becca Fitzpatrick oder die „Evermore“-Bücher von Alyson Noël. Auch anderer Meinung als die Mehrheit bin ich gegenüber dem Verlauf der „Shatter Me“-Trilogie von Tahereh Mafi – die meisten Leser fanden den ersten Band eher schwach und meinten, dass die Bücher sich von Band zu Band steigern würden, mir kam das allerdings eher andersrum vor. Während Band eins, „Shatter Me“ sich noch nach dem Auftakt einer fantasievollen, einfallsreichen und wirklich einzigartigen Buchreihe anfühlte, so war der letzte Band, „Ignite Me“, meiner Meinung nach nur noch schlecht ausgearbeiteter Dystopie-Einheitsbrei mit dem Fokus auf einem an den Haaren herbeigezogenen Love-Triangle – schade.

2. Ein beliebtes Buch, das alle hassen, aber du magst

IMG_20160113_122057 bZuerst ist mir zu dieser Frage überhaupt nichts eingefallen – ein beliebtes Buch, das alle hassen, ist damit vielleicht sowas wie „Fifty Shades of Grey“ gemeint? Das hasse ich allerdings auch. Ich dachte schon, ich kann die Frage gar nicht beantworten, dann ist mir jedoch mein absolutes Lieblingsbuch, Herman Melvilles „Moby-Dick“ eingefallen, das zwar nicht mehrheitlich gehasst, aber auch bei weitem nicht so geliebt wird, wie es das – meiner Meinung nach – verdient. Ich weiß noch, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen hatte und sofort auf Goodreads nach Rezensionen gesucht habe, um mich mit anderen Menschen über dieses grandiose Meisterwerk auszutauschen – nur um festzustellen, dass die große Mehrheit der Leser das Buch wohl einfach nur langweilig und dumm fand. Ich glaube, ich war selten so entsetzt von der allgemeinen Meinung wie in diesem Moment – nach und nach ist mir dann aber aufgefallen, dass die meisten dieser schlechte Rezensionen von eher jüngeren Lesern stammen, die das Buch in der Schule lesen mussten. Klar, auch wenn man es einfach so liest muss man es nicht mögen – jeder hat, wie gesagt, seinen eigenen Buch-Geschmack – aber ich glaube, wenn man von seinem Lehrer dazu gezwungen wird, „Moby-Dick“ in einem vorgegebenen Zeitraum zu lesen und anschließend tot zu  interpretieren, dann kann man seine Schönheit gar nicht so wirklich erkennen. Es ist einfach eines dieser Bücher, die man in seinem eigenen Tempo lesen muss, und vor allem, weil man es selbst auch wirklich will.
Auch „Die Leiden des jungen Werther“ zählt zu meinen Lieblingsbüchern, obwohl viele – wieder natürlich nicht nur, aber vor allem Leute, die in der Schule gezwungen wurden, das Buch zu lesen – damit wohl absolut gar nichts anfangen können und es einfach zu schmalzig und weinerlich finden.
Sonst gibt es da noch einige weniger bekannte Bücher, die ich eigentlich sehr gern mochte, deren Goodreads-Bewertung im Durchschnitt aber nur bei etwa drei Sternen liegt, wie zum Beispiel die „Nevermore“-Trilogie von Kelly Cragh oder die „Sky Chasers“-Bücher von Amy Kathleen Ryan.

3. Ein Liebesdreieck bei dem die Hauptperson mit der Person zusammen kommt, die du nicht mit der Hauptperson zusammen bringen wolltest ODER ein OTP, das du nicht magst

IMG_20150203_143730Die „Shatter Me“-Reihe fällt für mich definitiv in die Kategorie des falsch ausgegangenen Liebesdreiecks es ist nicht nur wahnsinnig schlecht gemacht, wirkt schrecklich konstruiert und an den Haaren herbei gezogen, nein, die Person, für die Juliet sich schlussendlich entscheidet behandelt sie einfach nur furchtbar – trotz allen Versuchen der Autorin, das zu verschleiern und mit einer „schwierigen Kindheit“ zu erklären. Es ist einfach nur Blödsinn und hat für mich mehr oder weniger die ganze Reihe ruiniert.
Generell ist es mir bei Love-Triangles inzwischen aber immer relativ egal, für wen die Hauptfigur sich am Ende entscheidet, weil Love-Triangles mir generell so auf die Nerven gehen, dass ich einfach nur froh bin, wenn sie sich endlich entschieden hat und Ruhe ist. Es wäre wirklich schon beinahe revolutionär, mal ein Young Adult Buch ohne Love-Triangle zu lesen, vor allem, da sie im Normalfall eh so unheimlich vorhersehbar sind – der irgendwie unangenehme Kindheitsfreund steht plötzlich dem noch viel unangenehmeren mysteriösen Fremden gegenüber, der schlussendlich natürlich das Rennen macht. Gähn.

4. Ein (beliebtes) Genre, das du nicht magst

IMG_20150709_195239Ich lese sehr, sehr selten Krimis oder Thriller und auch historische Romane treffen meinen Geschmack meist eher weniger, vor allem solche, die irgendwo im Mittelalter angesiedelt sind. Erstere können mich einfach nicht so wahnsinnig begeistern und sind für mich selten mehr als kurzfristige Unterhaltung, bei der man den Inhalt gleich wieder vergisst, letztere kommen mir oft so gestellt und gekünstelt vor, dass mir das Lesen einfach keinen Spaß macht. Ich habe wirklich selten einen Roman gelesen, der vor dem 20. Jahrhundert spielt, und bei dem ich wirklich das Gefühl hatte, in dieser Zeit zu sein, und nicht nur ein Theaterstück mit mittelmäßigen Kostümen zu beobachten – und alle Bücher, denen das gelungen ist, wurden auch tatsächlich in der Zeit geschrieben, in der sie spielen. Im Buchladen lasse ich beide Abteilungen also immer eher aus.

5. Ein beliebter Charakter, den du nicht magst

Darf ich die „Shatter Me“-Reihe an dieser Stelle schon zum dritten Mal heranziehen und „Warner“ sagen?

6. Ein beliebter Autor, mit dem du irgendwie nicht klar kommst

IMG_20160113_125455 bIch habe leider immer mehr das Gefühl, das Virginia Woolf für mich in diese Kategorie fällt – zwar finde ich sie als Person unheimlich spannend und bewundernswert, mit ihren Werken konnte ich bisher aber leider nicht wirklich viel anfangen. Vorletztes Jahr habe ich „Mrs. Dalloway“ gelesen und hatte das Gefühl, dass es zwar schon ganz nett war, aber aus irgendeinem Grund einfach substanz- und für mich bedeutungslos. Gerade lese ich „Orlando“ und ich habe die Befürchtung, dass ich zum gleichen Ergebnis kommen werde – zumindest das Lesen fühlt sich exakt genauso an wie damals. Dabei weiß ich gar nicht, woran das liegt – ich bin mir sicher, dass Virginia Woolfs Bücher eigentlich absolut nicht belanglos sind, denn sonst wäre sie wohl keine derart beliebte und bekannte Autorin, aber irgendwie gelingt es mir einfach nicht, mich wirklich in ihre Bücher einzufühlen – die Protagonisten sind mir relativ egal und nachdem ich das Buch beendet habe kann ich es beiseite legen und für den Rest meines Lebens keine einzige Sekunde mehr daran denken, weil es mich so wenig berührt oder beeindruckt hat. Das ist wirklich, wirklich schade und ich wünsche mir wirklich, es wäre anders, aber ich schätze, nicht jeder Autor passt zu jedem Leser – und das ist wahrscheinlich auch okay so.

7. Ein typisches Buchelement, das du nicht mehr sehen kannst (z.B. Liebesdreiecke, korrupte Regierung, verlorene Prinzessinnen)

Es steht schon in der Frage: Love-Triangles. Und schweigsame, mürrische, blasse, pseudo-mysteriöse YA-Helden, in die die Protagonistin sich aus irgendeinem unerfindlichen Grund rettungslos verliebt. Bonus-Punkte gibt es, wenn er, wie Liesa in ihrem Post bereits gesagt hat, Augen hat die je nach Gemütslage die Farbe wechseln oder extrem männlich nach „Wald“ riecht – was auch immer das bedeuten soll. Dieses „Charakter A ist zwar ein furchtbares und hat wahnsinnig viele schreckliche Dinge getan, aber er hatte eine echt schwere Kindheit weil er mal Streit mit seinem Papa hatte, also ist das schon okay“-Ding kann ich auch nicht leiden. Ebenso wie „Starke weibliche Heldinnen“, die so umgesetzt werden, dass sie nie weinen, absolut kalt und unnahbar sind und alles kurz und klein schlagen, was sie natürlich von ihren 12 älteren Brüdern oder sonst was gelernt haben.
Außerdem: Protagonistinnen, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie extrem unsicher sind und – ganz wichtig – sich furchtbar hässlich finden, weil sie angeblich viel zu schlank sind oder ihr wallendes, knielanges, kastanienbraunes Haar nie ganz perfekt liegt, oder – ganz schrecklich! – in Kombination mit ihren riesigen, ebenfalls braunen Rehaugen mit den viel zu geschwungenen, dunklen Wimpern einfach zu „langweilig“ ist. Natürlich sind auch ihre Lippen immer viel zu voll und dominieren ihr zartes, schmales, blasses Gesicht in einem geradezu grausam perfekten Kussmund. Ja, es muss schon schrecklich sein, genau so auszusehen, wie die Autorin selbst wahrscheinlich in ihrer Jugend gerne ausgesehen hätte – dabei muss sie natürlich auch ganz „normal“ sein, und das geht ja nur mit braunen Haaren, es wäre schon eine Revolution, wenn eine Protagonistin mal blonde oder schwarze Haare hat. Liebe Autoren, vielleicht wäre das mangelnde Selbstbewusstsein eurer Protagonistinnen etwas realistischer, wenn sie nicht aussehen würden, wie aus dem nächstbesten Modemagazin entsprungen – eine Hauptfigur, die nicht konventionell wunderschön ist, und bei deren Anblick nicht sofort fünf verschiedene Typen vor Liebe in Ohnmacht fallen, das wär’s doch mal.

8. Eine beliebte Buchreihe, bei der du keine Interesse hast, sie zu lesen

Die „Red Queen“-Bücher von Victoria Aveyard sind mir als erstes eingefallen. Ich wollte es vor ein paar Monaten schon auf meine Wunschliste setzen, weil so viele Buchblogger so begeistert davon waren, aber da mich der Inhalt eigentlich überhaupt nicht anspricht und ich außerdem das Gefühl habe, Young Adult Büchern langsam aber sicher zu entwachsen, wollte ich mich einfach nicht mehr nur auf die Meinungen anderer Blogger verlassen. Ähnlich geht es mir bei Maggie Stiefvaters „The Raven Cycle“ – es ist eine dieser Reihen, die ausnahmslos jeder gelesen zu haben scheint und die fast alle lieben, aber da mich „Nach dem Sommer“ von derselben Autorin nicht wirklich überzeugt hat lasse ich lieber die Finger davon. Außerdem habe ich, obwohl ich noch nie etwas von Colleen Hoover gelesen habe, inzwischen so viel schlechtes von ihren Büchern gehört, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich mich jemals wirklich an eins heranwagen will – trotz der vielen kurzzeitig kostenlosen eBooks, die es von ihr in letzter Zeit immer mal wieder gab. Dann gibt es da natürlich noch die „After“-Reihe – ich habe mich letztes Jahr schon durch „Fifty Shades of Grey“ gequält, ich brauche echt nicht noch eine schlechte Fanfiction mit einer unsympathischen Protagonistin und einem gewalttätigen Love Interest.

9. “Das Buch ist immer besser als der Film”, heißt es immer, doch welche Filmadaption fandest du besser als das Buch?

Das ist mir bisher tatsächlich erst dreimal passiert, und in zwei der drei Filmen spiel Jack Nicholson die Hauptrolle – es handelt sich um „Einer flog über das Kuckucksnest“ und „Shining“. Bei beiden waren die Bücher zwar auch gut, aber einfach nicht so absolut grandios wie die Filme – ob das daran liegt, dass die Geschichten als Filme aus irgendeinem Grund besser funktionieren oder einfach wirklich an Jack Nicholsons schauspielerischem Talent weiß ich nicht, ich würde aber fast auf letzteres tippen.
Außerdem viel, viel besser als das Buch fand ich den Film von „Beim Leben meiner Schwester“ – hier lag es aber an niemandes schauspielerischem Können, sondern an den massiven Änderungen, die im Film vorgenommen wurden. Ich fand das Ende des Buches einfach nur unnötig verkitscht und dämlich, was mir den ganzen Spaß am Lesen genommen hat. Ich wollte mich gleichzeitig tot lachen, weil es so unheimlich lächerlich war und das Buch an die Wand werfen, weil es außerdem so komplett sinnlos schmerzhaft war – eben typisch überdramatisch und schmalzig – und bin wirklich froh, dass das Ende im Film geändert wurde.

Wie gesagt – mir hat die Beantwortung der Fragen wirklich viel Spaß gemacht, deshalb nochmal einen ganz herzlichen Dank an Liesa! Ich bin, wie ihr alle wisst, ganz furchtbar schlecht im taggen von Leuten und weiß nie so wirklich, wer gerne getaggt wird und wer das eher nervig findet. Vielleicht haben ja Vee und Saskia Lust? Es soll sich aber keiner gezwungen fühlen. Sonst darf natürlich auch jeder gerne mitmachen, der will – fühlt euch einfach von mir getaggt, wenn ihr die Fragen auch gerne beantworten möchtet!

Kommentare

  • Mir gefällt der Tag echt gut, ich hab gestern auch schon gebrainstormt, was ich so nennen könnte und „Shatter Me“ wird auf jeden Fall auch bei mir vorkommen. 😀
    Bei einer Sache muss ich aber einhaken; „The Raven Cycle“ ist ganz, ganz anders als die „Nach dem Sommer“-Trilogie und ich glaube, dadurch, dass die Reihe kaum Klischees bedient, könnte sie dir wirklich gut gefallen! 🙂 Da ist es echt so, dass es von Band zu Band besser wird, da die Bücher von den Charakteren leben. Überleg’s dir also auf jeden Fall nochmal 😀

    • sacinee | BÜCHERJÄGER

      Gut, dann streiche ich „The Raven Cycle“ doch noch nicht komplett von meiner Leseliste. Vielleicht finde ich das ja auch mal in der Bücherei oder so, da kann man dann ja eigentlich nichts falsch machen. Danke für den Tipp! 😀
      Ich freue mich auch schon total auf deinen Post zu dem Tag, irgendwie bin ich gerade bei solchen Fragen immer wahnsinnig neugierig, was andere da so denken. 😀

  • Uh, so tolle Antworten! Ich bin schon richtig gespannt, wie mir Moby Dick gefallen wird – ich hab bisher noch gar keine Erwartungen an das Buch und weiß ehrlich gesagt nur grob, worum es überhaupt geht, deswegen freue ich mich umso mehr darauf, es hoffentlich bald zu lesen. 😀

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