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Literaturfest Lesung: „Die Spiegelstadt“ von Justin Cronin

Ich hatte mich gerade entschlossen, „Der Übergang“ von Justin Cronin zu lesen, als ich vor etwa zwei Wochen eine E-Mail vom Goldmann-Verlag bekam, in der ich dazu eingeladen wurde, an einer Lesung zum dritten Band der Trilogie teilzunehmen, die im Rahmen des diesjährigen Literaturfest München stattfinden würde. Ich habe mich natürlich wahnsinnig gefreut und sofort zugesagt! Vielen Dank an dieser Stelle deshalb noch einmal an den Goldmann-Verlag, die meinem Freund und mir diesen tollen Abend mit Justin Cronin ermöglicht hat!

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Neben Justin Cronin selbst waren auch noch Margarete von Schwarzkopf, die die Veranstaltung moderiert hat, sowie Heio von Stetten, der die deutschen Passagen aus „Die Spiegelstadt“ vorgelesen hat, anwesend und alle drei haben ihren Job wirklich phänomenal gut gemacht, sodass die Lesung einfach fantastisch war. Ich war ja – vor allem im Rahmen der Leipziger Buchmesse – während den letzten Jahren schon auf einigen Lesungen, aber diese war wirklich ein Highlight.
Justin Cronin war nicht nur richtig sympathisch sondern auch wirklich witzig und nicht nur das, was er über „Die Spiegelstadt“ selbst preisgegeben hat war wahnsinnig interessant, sondern vor allem auch die Dinge, die er über den Schreibprozess selbst erzählt hat, fand ich sehr spannend.
Da wäre zum Beispiel die Tatsache, dass er ganz bewusst kaum Beschreibungen des physischen Erscheinungsbildes seiner Charaktere verwendet, weil er die Details ihres Aussehens nicht nur dem Leser selbst überlassen will sondern auch der Meinung ist, dass solche Dinge einfach nicht wichtig sind – was ihn an seinen Charakteren wirklich interessiert, viel mehr als ihre Augenfarbe oder ihre Körpergröße, ist das eine, fundamentale Ereignis, das sie zu dem gemacht hat, was sie sind. Justin Cronin nannte es den „Stein“, den jeder Mensch stets um den Hals trägt, und der in jeder Handlung und jedem Gespräch, das ein Mensch führt, mitschwingt – oder schlicht und ergreifend, unsere Persönlichkeit.
Auch wirklich spannend fand ich, dass er selbst die gesamte Strecke, die die Figuren seiner Bücher im Laufe der Trilogie zurücklegen – immerhin zweimal quer durch die gesamte USA – mehrmals akribisch abgefahren ist, um auch wirklich alle Details richtig aufs Papier zu bringen. Laut Justin Cronin funktioniert das Brechen von Regeln in seinem Roman – in dem es schließlich um ein fantastisches Vampir-Virus geht, welches das Ende der Welt, wie wir sie kennen, heraufbeschwört – nur deshalb, weil er sich umgekehrt genauestens an die realen Regeln der Regionen hält, in der seine Geschichte spielt. Ob es dabei nun um geographische Hindernisse geht, oder schlicht und ergreifend darum, wie lange seine Figuren genau von einem Ort zum anderen brauchen – Justin Cronin biegt diese Gegebenheiten nicht, umseine Erzählung möglich zu machen, sondern passt seine Gechichte im Gegenteil der Realität an. Seine Erläuterungen waren auf jeden Fall sehr beeindruckend – und außerdem auch gespickt mit zahlreichen humorvollen Anektdoten, was das Ganze noch zusätzlich aufgelockert hat.
Man merkt Justin Cronin wirklich an, dass er nicht nur Vollblutautor mit Herz und Seele ist, sondern vor seinem internationalen Erfolg mit der „Die Übergang“-Trilogie auch jahrelang kreatives Schreiben an einer Universität unterrichtet hat – er benutzt sein Handwerkszeug in dieser Hinsicht so bewusst, dass das Lesen seiner Bücher schon allein aus diesem Grund wirklich Spaß macht.

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Wir hatten also wirklich einen ganz fantastischen Abend, und im Anschluss konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, noch ein Foto mit Justin Cronin zu machen und mir meine Bücher von ihm signieren zu lassen. Ich freue mich jetzt umso mehr darauf, „Die Spiegelstadt“ zu lesen, und will die Reihe wirklich jedem ans Herz legen – den ersten Band habe ich hier ja bereits rezensiert, und wer die Thematik auch nur im Entferntesten interessant findet, dem werden seine Bücher mit Sicherheit viel Spaß machen!

Vielen Dank nochmal an Justin Cronin, Margarete von Schwarzkopf und Heio von Stetten, sowie auch den Goldmann Verlag und den Organisatoren des Literatufests München für diesen tollen Abend!

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