Rezension

Die Maschinen

von Ann Leckie

Originaltitel: Ancillary Justice

Heyne Verlag, 534 Seiten

Preis: 14,99€

Inhalt

Auf einem abgelegenen, eisigen Planeten kommt die Soldatin, die sich Breq nennt, dem Ziel ihrer Reise immer näher. Einst war sie die Gerechtigkeit der Torren, gleichzeitig ein kolossales Raumschiff und hunderter sogenannter „Leichensoldatinnen“ – Hilfseinheiten, vernetzt durch ihre künstliche Intelligenz und im Dienste des Imperiums der Radch. Nun ist ihr nur noch ein einziger verletzlicher, menschlicher Körper geblieben – sowie eine Menge unbeantworteter Fragen und ein brennendes Verlangen nach Rache. Ganz allein will Breq es mit dem unsterblichen Herrscher der Radch aufnehmen – ihrem Schöpfer.

Meine Meinung

Ich habe „Die Maschinen“ diesen Monat zusammen mit dem Zwitscherbooks-Buchclub auf Twitter gelesen, der das Buch vor allem aufgrund seiner Geschlechterthematik ausgesucht hat, denn „Die Maschinen“ ist nicht nur komplett im generischen Femininum  geschrieben sondern auch aus der Sicht einer künstlichen Intelligenz erzählt, die sich oft schwer damit tut, Fremden ihr Geschlecht richtig zuzuordnen. Ich hatte vor dieser Buchclub-Runde noch nie von dem Buch gehört, war aber sofort Feuer und Flamme, als ich erfahren habe, dass es sich nicht nur um Science Fiction handelt, sondern sich auch noch mit dem Thema Geschlecht auseinandersetzt.

Obwohl „Die Maschinen“ zum Untergenre der Space Opera zählt gibt es im Buch kaum Aliens, epische Raumschiffschlachten oder sonstige genretypischen Klischees. Stattdessen ist es ein auf zwei Zeitebenen erzähltes, sehr ruhig und langsam aufgebautes und daher umso gewaltigeres Weltraum-Epos, das mehr nachdenklich macht als einen durch pausenlose Action in Atem zu halten – und trotzdem wird es nie langweilig.
Die Handlung von „Die Maschinen“ ist eine recht klassische – ein großes, übermächtiges, korruptes Imperium und eine einzelne Person, die erst Teil davon war, sich dem aber nun nach einigen traumatischen Erfahrungen entgegenstellt. Spannend gemacht wird das Buch also vor allem um das Drumherum.
Zum einen wären da die Charaktere, die alle wahnsinnig echt und einfach sie selbst sind. Es gab einige, die ich bereits von Anfang an ins Herz geschlossen hatte, aber auch wirklich viele, die ich zuerst absolut nicht ausstehen konnte, die ich am Ende aber geliebt habe wie kaum einen anderen zuvor. Schon allein wegen der großartigen Figuren lohnt das Buch sich wirklich.
Außerdem wahnsinnig interessant wird „Die Maschinen“ durch die dargestellte Gesellschaftsform und die Tatsache, dass es eben von einer KI erzählt wird. Es ist unheimlich spannend, Breqs manchmal so fremde und dann doch wieder so erschreckend menschliche Gedankengänge nachzuvollziehen, und vor allem immer wieder fasziniert war ich davon, wie viele Personen sie gleichzeitig ist. Zuerst war es für mich ein bisschen verwirrend, wenn in einem Satz Situationen von drei oder mehr verschiedenen Standpunkten beschrieben werden, aber als ich mich erstmal daran gewöhnt hatte war ich total begeistert.
Außerdem natürlich einzigartig an dem Buch war die behandele Geschlechterthematik. Die Radchaai unterscheiden nicht zwischen verschiedenen Geschlechtern, und folglich tut es auch Breq – die ja immerhin von diesen entwickelt wurde – nicht. So wird nicht nur immer wieder hinterfragt, was Geschlechter denn genau sind und wie sie sich definieren, auch die Geschlechter vieler handelnder Figuren bleiben lange unklar, weil Breq  diese einfach nicht genau feststellen kann und sich auch nicht wirklich dafür interessiert. So wird man auch als Leser immer wieder schonungslos auf das eigene Klischeedenken aufmerksam gemacht, was mir sehr gut gefallen hat.

Kurzum – mir hat „Die Maschinen“ wirklich gut gefallen. Es ist ein wirklich interessantes Buch, welches in vielerlei Hinsicht immer wieder zum Nachdenken und Diskutieren anregt – in dieser Hinsicht war es wirklich das perfekte Buchclub-Buch – ohne dabei jemals anstrengend oder aufdringlich zu werden. Mal abgesehen davon ist es auch einfach eine schöne, unterhaltsame Geschichte, mit liebenswerten Charakteren und einem sehr einzigartigen Word Building.
Es ist ein wunderbares Buch für Sci-Fi-Fans, Jeden, der sich gerne mit dem Thema „Geschlecht“ auseinandersetzt, aber auch für Jeden, der bisher mit keinem von beidem etwas anfangen konnte, denn „Die Maschinen“ schafft wirklich den perfekten Mix aus Ernsthaftigkeit und Unterhaltsamkeit, um jeden damit zu erreichen. Ich habe es sehr gerne gelesen und hoffe, bald auch die Fortsetzung beginnen zu können!

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