Rezension

Rosen & Knochen

von Christian Handel

Drachenmond Verlag, 185 Seiten

Preis: Taschenbuch 12,00€

Inhalt

Fürchtest du dich, bei Mondschein das Grab einer Hexe zu betreten?

Unter den Decknamen Schneeweißchen und Rosenrot ziehen die Dämonenjägerinnen Muireann und Rose durch die Lande. Sie bekämpfen Trolle, retten Jungfrauen vor Wassermännern und vertreiben Kobolde aus Mühlen und Bauernhäusern.

Als sie von den Bewohnern eines kleinen Dorfs angeheuert werden, den spukenden Geist einer Hexe unschädlich zu machen, geraten sie allerdings in ein alptraumhaftes Abenteuer, das sie an ihre Grenzen führt. Und das ein gut gehütetes Geheimnis ans Licht bringt, das eine von ihnen vor der anderen gern für immer verborgen hätte…

Meine Meinung

Christian Handels Novelle „Rosen & Knochen“ war für mich ein absoluter Zufallsfund auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse – wie ihr wisst, hadere ich seit geraumer Zeit mit einer sehr hartnäckigen Leseflaute und habe in letzter Zeit tatsächlich so wenig gelesen, dass ich überhaupt nicht vorhatte, mir auch nur ein einziges Buch auf der Messe zu kaufen, weil es ja doch nur wieder in der Ecke landen würde. Das Programm des Drachenmond Verlags habe ich mir deshalb eigentlich nur aus Gewohnheit mitgenommen – ich habe mich also selbst ziemlich überrascht, als ich diese Märchenadaption beim Durchblättern entdeckt und mich sofort derart in den Klappentext verliebt habe, dass ich sie direkt mitnehmen musste.

Ich war nicht nur fasziniert davon, wie gruselig und stellenweise auch grausig Christian Handel seine Version von „Hänsel und Gretel“ erzählt hat, sondern auch überrascht darüber, dass er mich trotz der Kürze der Geschichte immer wieder mit einer unerwarteten Wendung überrumpelt hat.
Ich habe in den letzten Jahren eine ganze Menge Märchenadaption gelesen und dabei immer mehr das Gefühl gehabt, dass es schwierig ist, dabei die richtige Balance zu finden – oft sind diese Romane entweder bloße Nacherzählungen in leicht verändertem Setting, die kaum für sich selbst stehen können, oder aber sie sind so weit vom Original entfernt, dass jede gezogene Parallele zwischen beiden Stoffen fast schon gezwungen wirkt. Anders ist das bei „Rosen & Knochen“, das es meiner Meinung nach wirklich schafft, genau den Punkt zu treffen, an dem Märchenadaptionen fantastisch werden!
Mit Muireann und Rose hat das Buch zwei wirklich interessante Protagonistinnen, die beide ihre Ecken, Kanten und Geheimnisse haben, über die man automatisch mehr wissen möchte. Ich jedenfalls konnte gar nicht anders, als beide Frauen sofort liebzugewinnen.
Besonders geliebt habe ich jedoch die Selbstverständlichkeit, mit der ein gleichgeschlechtliches Paar im Zentrum dieser Novelle steht. Von der ersten Seite an ist spürbar, wie tief und eng die Beziehung der beiden Dämonenjägerinnen ist, und das ganz ohne große Erklärungen oder sonstiges Tamtam. Es war wirklich wunderschön, eine so gesunde und starke queere Liebe als Teil dieser Geschichte zu haben – allein deshalb möchte ich das Buch eigentlich schon jedem in die Hand drücken, der nur lang genug stehen bleibt.

„Rosen & Knochen“ hat also wirklich alles, was ich liebe: Wunderbar düsteres Märchenflair – seit ich vor ein, zwei Monaten begonnen habe, gemeinsam mit meiner Schwester ein Märchenbuch zusammenzustellen, bin ich sogar noch mehr im Märchenfieber als ich es ohnehin schon immer bin – zwei interessente weibliche Hauptfiguren und eine ordentliche Portion Queerness. Klar also, dass das Buch mich absolut begeistert hat – tatsächlich ist es das erste Buch seit Monaten, das ich nicht nur in einem Rutsch durchgelesen, sondern auch wirklich beendet habe. Ich kann die nächsten Bände jedenfalls kaum noch erwarten!

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